Katarzyna Berenika Miszczuks Unterhaltungsroman Ja, diablica [Titelvorschlag: Einfach höllisch] ist 2010 bei WAB in Warschau erschienen. Der Folgeband Ja, anielica [Einfach himmlisch] ist ein ebenso großer Erfolg bei der polnischen Leserschaft.
Ich musste zugeben, die Hölle war wunderschön. Sie erinnerte mich an die malerische Landschaft Griechenlands oder der Türkei, allerdings ohne das dortige feucht-schwüle Klima. Es war warm, klar, aber nicht heiß. Vom Meer wehte eine salzige Brise herüber... Ein Paradies.
Als wir zwischen die Gebäude einbogen, verlangsamte Beleth das Tempo und begann, mir von den Bewohnern dieser Stadt mit dem klangvollen Namen „Los Diablos“ zu erzählen. Ihren Namen verdankte sie der Tatsache, dass hier die meisten Teufel in ganz Unterarkadien lebten.
Beleth erzählte mir von der Entstehung der Stadt vor achttausend Jahren. Anfangs war sie nur ein kleines Dorf am Meer gewesen, gegründet von einer Handvoll Höllenbürgern. Erst mit der Zeit hatte sie an Beliebtheit gewonnen, und inzwischen wohnten hier die namhaftesten Persönlichkeiten des „heißen Südens“. Im Herzen der heutigen Metropole war die riesige Residenz Luzifers höchstpersönlich gelegen.
Das bekannte irdische Los Angeles war das von Engeln errichtete Gegenstück zum höllischen Los Diablos.
Beleth erschien mir nun wieder sehr menschlich. Er lachte über meine ungeschickten Witze und flirtete schamlos mit mir, als wir langsam durch die Stadt spazierten und die Aussicht und die alten Häuser bewunderten, und als wir später zum Mittagessen in ein kleines Restaurant einkehrten.
„Gibt es Geld in der Hölle?“, fragte ich, vor mir einen Teller köstlichen Risottos.
„Nein“, erwiderte er. „Bei uns gibt es kein Geld, keine Löhne und Gehälter, keine Steuern.“
Ich blickte auf meinen Teller und dann zu dem sympathischen Italiener, der uns soeben das von Hand zubereitete Essen serviert hatte und nun an der Bar saß, ein Buch las und Tee trank. Die Stille in dem leeren Restaurant wurde nur vom Summen des Ventilators an der Decke und dem Klirren der Teetasse des Besitzers durchbrochen.
„Und wie... zeigen wir uns ihm dann erkenntlich?“, fragte ich.
„Wir bedanken uns höflich und loben seine Küche, und dann verlassen wir das Restaurant, damit er aufräumen kann“, entgegnete Beleth und zuckte die Schultern.
„Und es macht ihm nichts aus, dass er uns vollkommen gratis bekocht hat?“
„Aber das ist doch sein Hobby!“ – Der junge Mann lachte. – „In der Hölle tut jeder das, wozu er Lust hat. Dieser Mann hier kocht sehr gerne, aber nicht nur für sich selbst. Deswegen bekocht er andere. Genauso macht jeder hier etwas für sich und für die anderen, zum Beispiel nähen, Haare schneiden, unterrichten, Zeitungsartikel schreiben. Das ist eine Art der Freizeitbeschäftigung. Klar gibt es viele Verstorbene, die nichts tun. Aber die meisten haben nach ein paar Hundert Jahren genug davon und fangen eine Arbeit an, lernen, für andere da zu sein, nicht nur für sich selbst.“
„Ein Utopia. Auf der Erde würde das niemals funktionieren“, sagte ich.
„Auf der Erde gibt es keine Teufel, die im Notfall fehlende Lebensmittel erschaffen“, belehrte mich Beleth. „Außerdem können Sterbliche krank werden und sterben. Hier gibt es keine Krankheiten.“
Ich wischte mir mit der Serviette den Mund ab und sah durch das große Fenster nach draußen auf die ruhige Straße, auf der gerade ein Sportwagen vorbeifuhr. Gleich dahinter ritt ein in Felle gekleideter Mann ohne Sattel auf einem Pferd.
„Gehen wir?“, fragte ich.
„Noch nicht“, antwortete er. „Ich habe heute jemanden herbestellt, der dir einige grundlegende Dinge erklären wird. Ich glaube, dass du dich mit ihr um einiges besser verständigen kannst als mit mir.“
In diesem Moment betrat eine schlanke Frau mit exotischen Gesichtszügen das Lokal. Sie hatte schwarze schulterlange Haare, einen exakt geschnittenen Pony und stark geschminkte Augen. Um den Hals trug sie neben anderem Schmuck einen Teufelsschlüssel an silberner Kette.
„Ach, da ist sie ja schon.“ – Beleths Gesicht hellte sich auf.
Er stand auf und reichte der Frau die Hand.
„Schön wie immer.“ – Er umarmte sie und küsste sie auf die Wange.
„Alter Charmeur...“ – Sie tätschelte seinen Arm und beäugte dabei mich.
Ich spürte ihren taxierenden Blick, als sie kritisch mein Kleid und meine Frisur begutachtete.
„Und das ist also die Neue?“, fragte sie Beleth ganz ungeniert.
„Ja, das ist Viktoria...“
„Ein guter Name. Königlich“, unterbrach sie ihn.
„Jaaa“, sagte Beleth gedehnt und zwinkerte mir zu. „Viktoria, darf ich vorstellen...: Kleopatra.“
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