LISA PALMES * POLONISTIN * ÜBERSETZERIN POLNISCHER LITERATUR 

LISA PALMES

Polonistin und Germanistin
Übersetzerin polnischer Literatur


Tel.: +49-(0)30-4509 0229
Tel. mobil: +49-(0)178-13 75 699

E-Mail: palmes@lisapalmes.de



Nominiert für den 8. Internationalen Literaturpreis -
Haus der Kulturen der Welt:
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Joanna Bator: Dunkel, fast Nacht


Zur Website des Suhrkamp Verlags

Eine Stadt ist in Aufruhr. Drei Kinder sind verschwunden. Die erfolglosen Ermittlungen schüren die Wut der Bürger, befeuern die Gerüchte. Verdächtigungen und Schuldzuweisungen greifen um sich. Im Radio und im Internet lodert die Sprache des Hasses.
Alicja Tabor hat diese Stadt früh verlassen. Nun kehrt sie als Journalistin zurück, um Nachforschungen über die rätselhaften Entführungen anzustellen. Sie quartiert sich im alten Haus ein, das seit dem Tod des Vaters leersteht; die Atmosphäre ist düster, die Stimmung im einst so geliebten Garten unheimlich. Ständig fühlt sie sich beobachtet, um sie herum ereignen sich unerklärliche Dinge.

Mit der ihr eigenen Subtilität schildert Joanna Bator, wie Stimmungen kippen können, wie latente Ängste und Traumata sich in jähe Ausbrüche von Wahnsinn verwandeln. Dunkel, fast Nacht ist ein Roman über die Brüchigkeit einer Gesellschaft, die ihre gemeinsame Sprache verloren hat.




Letzte Veranstaltungsreihe:
PeriGraphien
Europas Ränder, Europas Mitte





Lidia Ostałowska: Wasserfarben


Zur Website des KLAK-Verlags

Auschwitz-Birkenau, 1943:
Die tschechisch-jüdische Kunststudentin Dina Gottliebova porträtiert im Auftrag des Lagerarztes Josef Mengele die im „Zigeunerlager“ inhaftierten Roma. Sie rettet auf diese Weise sich selbst und ihrer Mutter das Leben.

Hollywood/ Oświęcim, 1960er Jahre:
Erst zwei Jahrzehnte später wird die inzwischen in den USA lebende anerkannte Künstlerin als Urheberin der Aquarelle ausfindig gemacht und es beginnt ein Streit um das Eigentum an den Portraits: Gehören sie der Malerin? Dem Museum auf dem Gelände des ehemaligen deutschen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau? Oder den Angehörigen und Nachkommen der ermordeten Roma und Sinti?

Lidia Ostałowska rekonstruiert diese dramatische Geschichte in allen ihren Facetten.




Gruppe Buchbund (Hg.) / Esther Kinsky: Polnisch Poetisch

Die Publikation zur Reihe Polnisch Poetisch:
Die Schriftstellerin und Übersetzerin Esther Kinsky lud 6 polnische LyrikerInnen zum Gespräch über ihre Werke, den Schaffensprozess und ihre Übersetzungsarbeit. Dabei wurde ein detailliertes Bild der gegenwärtigen polnischen Lyrikszene, ihrer Richtungen und Ausprägungen sowie ihrer spannendsten Erscheinungen gezeichnet.
Zu den Gästen zählten: Jacek Gutorow, Marta Podgórnik, Dariusz Sośnicki, Jakobe Mansztajn, Katarzyna Fetlińska und Adam Wiedemann.
Die Anthologie enthält die Aufzeichnungen der Gespräche sowie ausgewählte Gedichte in Kinskys Übersetzung.

Zur Rezension in „Kultura extra“













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Unsere Gesprächsreihen wurden konzipiert in Zusammenarbeit mit:





Mit freundlicher Unterstützung von:





Medienpartnerschaft:







PeriGraphien - Europas Ränder, Europas Mitte

Rückblick

Perspektiven der Transkulturalität gewinnen bei der Beschreibung europäischer Identitäten zunehmend an Bedeutung. Wer diese Perspektiven einnimmt, findet unter den Grenzen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts tiefer liegende Schichten – kulturelle Landschaften der fließenden Übergänge, Biographien, die geprägt waren von Mehrfachidentitäten und Mehrsprachigkeit. Wesentlich geformt wurden diese mitteleuropäischen Landschaften von der jüdischen Geistesgeschichte. Der Erste Weltkrieg setzte dem multiethnischen Modell Habsburg ein Ende, der Zweite Weltkrieg zerstörte unwiederbringlich die in Nationalstaaten aufgegangenen mitteleuropäischen Landschaften.

Die Gruppe Buchbund betrachtete in der Gesprächsreihe PeriGraphien literarisches Schaffen aus der Perspektive der Transkulturalität. Im Fokus der Reihe standen die Werke dreier Autoren, die mit ihrem Schaffen das Spezifische einer mitteleuropäischen Literatur verkörpern.

Martin Brand, Lisa Palmes, Marcin Piekoszewski, Lothar Quinkenstein



26. Februar 2016

ARNOLD SŁUCKI (ARON KRAJNER) - Leben und Werk

Elvira Grözinger im Gespräch mit Lothar Quinkenstein

Das dritte Gespräch der Reihe PeriGraphien widmete sich Leben und Werk des jüdisch-polnischen Lyrikers Arnold Słucki (Aron Krajner, 1920-1972). Słucki überlebte die Shoah in der Sowjetunion. 1968 wurde er zur Emigration aus der Volksrepublik Polen gezwungen und gelangte über Israel in die BRD. Er starb in West-Berlin. Słucki war auch ein bedeutender Übersetzer aus dem Jiddischen. Seine letzte Gedichtsammlung (Im Epizentrum), entstanden in der alten Bundesrepublik, stellt ein bedrückendes poetisches Protokoll der Emigrationserfahrungen dar. Selten findet man die Asymmetrie der Erinnerungen, die die Jahrzehnte des Eisernen Vorhangs prägten, so eindringlich festgehalten wie in diesen Versen. Da Słuckis Werk bislang in Deutschland kaum bekannt ist, kamen im Rahmen dieses Gespräches auch die Übersetzungen zur Sprache, die Elvira Grözinger angefertigt hat.

Zu Gast im buchbund war: Elvira Grözinger (Berlin), Literaturwissenschaftlerin mit dem Schwerpunkt Komparatistik jüdischer Kulturen in mehreren Sprachen, ehemalige Lehrende für Jiddische Sprache und Literatur an der Universität Potsdam und der FU Berlin, Autorin, Publizistin und Übersetzerin.

Das Gespräch führte Lothar Quinkenstein.



4. Februar 2016

ITZIK MANGER - Leben und Werk

Efrat Gal-Ed im Gespräch mit Lothar Quinkenstein

Das zweite Gespräch im Rahmen der Reihe PeriGraphien war dem Leben und Werk Itzik Mangers gewidmet (1901–1969). Anlass war in erster Linie das Erscheinen der weltweit ersten kritischen Monographie über Manger. Niemandssprache: Itzik Manger – ein europäischer Dichter (Jüdischer Verlag im Suhrkamp-Verlag). Autorin des Buches ist Efrat Gal-Ed, die Übersetzerin der Lyrik Mangers ins Deutsche: Die Beschäftigung mit dem Werk Mangers bietet wichtige Einblicke in das kulturelle Leben in der polnischen Hauptstadt in den Zwischenkriegsjahren. Manger war über Jahre hinweg ständiger Gast unter der legendären Warschauer Adresse „Tłomackie 13“, wo der „Jüdische Schriftsteller- und Journalistenverband“ seinen Sitz hatte. Mangers Wahl für das Jiddische als Literatursprache stand in engem Zusammenhang mit den seinerzeit lebhaften Diskussionen um eine Neudefinition jüdischer Identität in säkularen Kontexten. Flucht und Exil führten den „Prinzen der jiddischen Ballade“ über Frankreich, England und die USA schließlich nach Israel, wo er große Popularität erlangte.

Zu Gast im buchbund war: Efrat Gal-Ed (Köln), Lehrende für moderne jiddische Literatur und Kultur an der Universität Düsseldorf sowie Autorin der Monographie Niemandssprache und Herausgeberin des zweisprachigen Gedichtbandes Dunkelgold mit Gedichten Itzik Mangers in ihrer eigenen Übersetzung.

Das Gespräch führte Lothar Quinkenstein.



4. Dezember 2015

DEBORA VOGEL - Leben und Werk

Anna Maja Misiak im Gespräch mit Lothar Quinkenstein

Anlass des Gespräches war die erstmalige Publikation von Texten Debora Vogels in deutscher Übersetzung: Die Geometrie des Verzichts. Gedichte, Montagen, Essays, Briefe, übersetzt und herausgegeben von Anna Maja Misiak. Das Buch erscheint in Kürze beim Arco-Verlag. Debora Vogels Werk markiert eine einzigartige Schnittstelle der Sprachen und Kulturen: Sie promovierte in Krakau über Hegel, schrieb ihre Texte sowohl auf Jiddisch als auch auf Polnisch und nahm an den Diskussionen der New Yorker „Insichisten“ teil, der jiddischsprachigen Avantgarde der Zwischenkriegszeit. Bislang war Debora Vogel zumeist als „Muse“ von Bruno Schulz bekannt – mit der erstmaligen Publikation ihrer Texte in deutscher Übersetzung kann eine Autorin entdeckt werden, die in faszinierender Weise die Inspirationen mitteleuropäischer Geistesgeschichte literarisch umgesetzt hat.

Zu Gast im buchbund war Anna Maja Misiak (Bern), Literaturwissenschaftlerin, Kunsthistorikerin, Autorin der Bücher Judit: Gestalt ohne Grenzen (Aisthesis-Verlag, 2010) Die Geometrie des Verzichts (erscheint im Kürze im Arco-Verlag) sowie Übersetzerin aus dem Polnischen und Jiddischen.

Das Gespräch führte Lothar Quinkenstein – Schriftsteller, Übersetzer aus dem Polnischen und Literaturwissenschaftler mit dem besonderen Schwerpunkt auf polnisch-jüdischer Kultur.



Biografien, Biografien!

Rückblick

In der Reihe Biografien, Biografien! haben wir einige der bekanntesten polnischen Biografen zum Gespräch über ihre Werke in den buch|bund eingeladen. Zusätzlich wurden erstmals ins Deutsche übersetzte Textstellen aus dem Buch vorgelesen.

Lisa Palmes, Marcin Piekoszewski



28. November 2014

Kazimiera Szczuka und Magdalena Marszałek über Maria Janion

(Thema: Das Lebenswerk der außergewöhnlichen polnischen Literaturwissenschaftlerin und Romantikforscherin.)

Die 6. Gäste der Biografienreihe waren Kazimiera Szczuka und Magdalena Marszałek, die anlässlich des Erscheinens der ersten deutschsprachigen Ausgabe der Studien Janions (Die Polen und ihre Vampire - Studien zur Kritik der Phantasmen, hrsg. v. Magdalena Marszałek, Suhrkamp, Berlin 2014, übers. v. Bernhard Hartmann und Thomas Weiler) über deren Lebenswerk sprachen.

Maria Janion, Literaturwissenschaftlerin und namhafte Romantikforscherin, ist eine der unumstrittenen intellektuellen Autoritäten in Polen. Sie hat sich stets in politische Debatten eingemischt und in den letzten Jahren ihre Prominenz dazu genutzt, die Frauenbewegung und die wiedererwachte Neue Linke zu unterstützen. (…) Im Zentrum ihres Werkes steht der Begiff der krytyka fantasmatyczna, die Befragung von Literatur, Film und Kunst auf ihre imaginären Potenziale hin, auf bewusste und unbewusste kulturelle Vorstellungen, Selbst- und Fremdbilder, die in den ästhetischen Gebilden wirksam sind. Ein bedeutendes romantisches Phantasma ist der Vampir als Doppelgänger und Schatten, als »Symbolfigur für die Transgression zum Bösen«. Maria Janions kritische Studien zu Bildern des Weiblichen oder zum „unheimlichen Slawentum“ als dem Unterbewussten der europäischen Kultur provozieren nationalkonservative Kreise bis heute. Was es für die Polen bedeutet, dass ihr Land Schauplatz des Holocaust war, ist eines der großen Themen ihres Spätwerks. Mit ihrem Ruf »Nach Europa, ja! Aber nur zusammen mit unseren Toten« fordert sie, im Anschluss an Adam Mickiewicz’ »Ahnenfeier« und Imre Kertész’ Rede vom »Holocaust als Kultur«, eine Kultur des Trauerns und Erinnerns.”
(Quelle: Suhrkamp-Verlag)

Kazimiera Szczuka, geboren 1966, Literaturforscherin, Publizistin, Autorin, feministische Aktivistin und Mitglied der Krytyka Polityczna. Während ihres Studiums der Literaturwissenschaften an der Universität Warschau war sie Schülerin Maria Janions. Ihre Beiträge erscheinen in den größten polnischen Tages- und Wochenzeitungen und -magazinen, zudem arbeitet sie als Journalistin für das polnische Fernsehen. Sie ist eine der Gründerinnen der grünen Partei Polens (Zieloni 2004). Zuletzt von ihr erschienen: “Janion. Transe – traumy – transgresje. 1: Niedobre dziecię”. Am 21.11.2014 erscheint der zweite Band im Verlag Krytyka Polityczna “Janion. Transe – Traumy – Transgresje. 2: Prof. MISIA”

Prof. Dr. Magdalena Marszałek, Studium der polnischen Philologie und Theaterwissenschaft in Krakau, Zweitstudium der Slavistik, Kunstgeschichte, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft in Bochum. Bis 2011 Juniorprofessorin für Polnische Literatur am Institut für Slawistik der Humboldt-Universität zu Berlin, seit März 2011 Professorin für Slavische Literatur- und Kulturwissenschaft / Schwerpunkt Polonistik am Institut für Slavistik der Universität Potsdam. Seit 2012 assoziiertes Mitglied des Instituts für Jüdische Studien der Universität Potsdam. Im April-Juni 2014 Visiting Researcher am Russian and East European Institute (REEI) der Indiana University, Bloomington.



17. Oktober 2014

Anna Bikont, Joanna Szczęsna: Pamiątkowe rupiecie. Biografia Wisławy Szymborskiej [Erinnerungskram. Die Biografie Wisława Szymborskas]

(Thema: Die neu überarbeitete, ausführliche Biografie der Literatur-Nobelpreisträgerin.)

Die polnische Nobelpreisträgerin Wisława Szymborska war für ihre Bescheidenheit bekannt – sehr selten erzählte sie von ihrem Privatleben und vermied konsequent Interviews mit Journalisten. Den beiden Autorinnen gelang es trotzdem, Szymborska zu treffen und ein langes, sehr persönliches Gespräch mit ihr zu führen.
Szymborska äußerte sich zu eigenen Lebens- und Schaffensphasen – natürlich auf ihre schlagfertige und unvergleichliche Art und Weise. Bikont und Szczęsna haben ein Werk voller Anekdoten, Gedichte und amüsanter Reise- und Freundschaftsbeschreibungen geschaffen, das uns in die Welt dieser originellen Dichterin einführt.

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Übersetzung aus dem Polnischen von Joanna Manc



1. Oktober 2014

Artur Domosławski: Kapuściński. Leben und Wahrheit eines Jahrhundertreporters

(Thema: Die Biografie des - hierzulande - bekanntesten polnischen Reporters, verfasst von seinem ehemaligen Schüler, ein Buch, das in Polen große Kontroversen aufwarf.)

Artur Domosławski ist Reporter, Journalist bei der Zeitschrift "Polityka" und Autor mehrerer Reportagebände. 2010 erschien seine Kapuściński-Biografie in Polen und rief dort heftige Debatten über Kapuściński, die Gattung der Biografie an sich und ihre Grenzen hervor.
Domosławski gibt den Lesern tiefe Einblicke in das Leben, die Arbeitsweise und das Werk seines einstigen Freundes und Lehrers Ryszard Kapuściński, der als Polens bekanntester und meistgelesener Reporter gilt. In unserer Veranstaltungsreihe durfte dieses entscheidende Werk selbstverständlich nicht fehlen.
Das Gespräch führte Arkadiusz Łuba.

Die deutsche Ausgabe ist 2014 im Rotbuch-Verlag erschienen, in der Übersetzung von Antje Ritter-Jasińska und Benjamin Voelkel.

Zur Rezension von Lothar Quinkenstein, Saarbrücker Zeitung...


13. Juni 2014

Adriana Prodeus: Themersonowie. Szkice biograficzne [Die Themersons. Biografische Skizzen]

(Thema: Das polnisch-britische Avantgardekünstler-Paar Stefan und Franciszka Themerson, ihr ungewöhnliches Leben und Schaffen.)

Ihr Werk umfasst mehr als sechzig Jahre schöpferischer Arbeit, gemeinsam wie auch einzeln. Sie zeichnete, malte, entwarf Bühnenbilder, Masken und Bücher. Er fotografierte, konstruierte, schrieb Gedichte, Romane, Essays. Kaum voneinander trennen lassen sich ihre Beiträge zu Filmen, dem gemeinsamen Verlag oder künstlerischen Salon. Zusammen schufen sie die Konzepte von Büchern wie Aesop oder Kurt Schwitters in England. Franciszka illustrierte Stefans Texte, er inspirierte die Titel ihrer Zeichnungen. Mal gab eine Zeichnung oder ein Bild von ihr seinem Gedicht den Anfang, mal war es genau umgekehrt.
Ab dem Zeitpunkt ihrer Begegnung trennten sie sich bis zum Lebensende nicht mehr voneinander – mit Ausnahme der Kriegszeit, wo sie keinerlei Kontakt zueinander hatten und dennoch, wie sich später herausstellte, einander ergänzende Zeichnungen und Gedichte schufen (Franciszka die Unposted Letters und Stefan die Szkice w ciemnościach [Skizzen in der Finsternis]). Die Unkonventionalität der Themersons, ihr unermüdliches Überschreiten von Gattungs-, Genre- und Stilgrenzen ist ein unmissverständliches Manifest der künstlerischen Freiheit. [...]

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Übersetzung aus dem Polnischen von Lisa Palmes und Michael Zgodzay



9. Mai 2014

Małgorzata Szejnert: Dom żółwia. Zanzibar [Das Heim der Schildkröte. Sansibar]

(Thema: Die Biografie der Insel Sansibar und ihrer Bewohner in den letzten 170 Jahren, der Lebenszeit einer Grünen Meeresschildkröte)

Sansibar wurde und wird von den unterschiedlichsten und schillerndsten Gestalten bevölkert. Die einen tragen Schmuck und Juwelen aus Scheherazades Märchen, die anderen Tropenhelme und Schnürstiefel, wieder andere sind nackt und in der Sklavengabel oder nackt und mit Speer, noch einmal andere haben Bibel und Priesterkragen, weiße Kolonialuniformen, Dschallabijas, erbeutete Militäruniformen samt Knüppel und Machete, Maohemden, Anzüge und schwarze blankgeputzte Schuhe, Schnauzen und Flügel wie Fledermäuse, kunstvoll drapierte Baumwollgewänder in verrückten Farben, T-Shirts und kurze Hosen, Neoprenanzüge zum Tauchen. Sie fügen der sansibarischen Geschichte ihre eigenen Episoden hinzu. Viele von ihnen haben eines gemeinsam in ihrem Lebenslauf: Sie haben keine feste Heimat. Sie sind Weltenbummler, freiwillig oder unfreiwillig. Mit Hilfe dieser Augenzeugen und Beteiligten will ich versuchen, die Geschichte Sansibars der vergangenen etwa hundertsiebzig Jahre zu erzählen; das ist das Alter einer hochbetagten Riesenschildkröte. […]

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Übersetzung aus dem Polnischen von Lisa Palmes



11. April 2014

Agata Tuszyńska: Singer. Pejzaże pamięci [Singer. Landschaften der Erinnerung]

(Thema: Eine ausführliche und persönliche Biografie des polnisch-amerikanischen Schriftstellers und Literaturnobelpreisträgers Isaac Bashevis Singer)

Er stand gern auf dem Balkon seines Elternhauses in der Krochmalna-Straße 10 und beobachtete die Menschen. Dieses Bild wiederholt sich viele Male in seiner Prosa.
„Der kleine Chassid mit den roten Schläfenlocken“, in langem Kaftan und mit samtener Kippa fühlte sich dann wie ein General. Selbst die Polizisten kamen ihm aus dieser Höhe weniger bedeutend vor. Auf der Straße war immer etwas los. „Einmal wurde ein Dieb gefangen, ein andermal verfiel der Trunkenbold Icie Mejer – der Ehemann von Estera aus dem Bonbonladen – in einen Wahn und tanzte im Rinnstein. Dann wieder wurde jemand krank und der Ambulanzwagen musste gerufen werden. Und noch ein anderes Mal brach irgendwo Feuer aus und es kamen Feuerwehrmänner mit Messinghelmen und hohen Gummistiefeln in einer Kutsche angefahren, die von galoppierenden Pferden gezogen wurde. Einmal ging ein Chinese mit Zopf über die Straße. Und ein anderes Mal sogar ein dunkelhäutiger persischer Jude aus Susa.
Er bemerkte, dass die Passanten auf der Straße so unterschiedlich waren wie die Kinder bei ihnen zu Hause. Da war ein bärtiger Jude mit Schläfenlocken, pelzbesetztem Hut und einem Kaftan aus Atlasseide, sicher ein Chassid, der verspätet vom Gebet kam. Da war ein Dandy mit gelben Schuhen und Strohhut, glattrasiert, die Zigarette im Mundwinkel. Er rauchte ganz offen am Sabbat, um zu demonstrieren, wie wenig er von der Tora hielt. Eine frisch Verheiratete mit Haube auf dem rasierten Kopf, und gleich daneben eine junge Frau mit rosa geschminkten Wangen und kurzärmliger Bluse, die ihre nackten Schultern freigab. Sie trug eine Handtasche, was am Samstag ebenfalls verboten war, und ließ sich auf offener Straße von Herumtreibern küssen. [...]
Die Welt war sicher nicht in der Krochmalna zu Ende, aber für den kleinen Isaac fing sie hier an. Dieser Ort, in dem andere, Fremde, eher eine „Friedhofsgestank“ ausdünstende Gosse als eine Straße sahen (Stefan Żeromski in Die Heimatlosen), war für ihn das Urbild aller Dinge. […]

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Übersetzung aus dem Polnischen von Lisa Palmes



Polnisch Poetisch


Rückblick

Die Schriftstellerin und Übersetzerin Esther Kinsky lud 2014 sechs polnische LyrikerInnen der Gegenwart zum Gespräch über ihre Werke, den Schaffensprozess und ihre Übersetzungsarbeit in den buch|bund ein.

Lisa Palmes, Marcin Piekoszewski



21. November 2014

Gespräch mit Katarzyna Fetlińska

Der 6. und letzte Gast der Reihe Polnisch Poetisch war die Lyrikerin Katarzyna Fetlińska. 2011 war sie Preisträgerin des Projektes Połów. Poetyckie debiuty (Lyrik-Debüts). Ihr erster Gedichtband Glossolalia wurde 2012 veröffentlicht. 2015 erscheint ihr zweites Buch.
Katarzyna Fetlińska lebt und arbeitet in Warschau.

Während des Gesprächs wurden ausgewählte Gedichte im Original und in der Übersetzung von Esther Kinsky vorgestellt.



18. Oktober 2014

Gespräch mit Jakobe Mansztajn

Jakobe Mansztajn (geb. 1982) gehört zu den interessantesten Dichtern der jungen Generation in Polen. Für seinen Gedichtband „Wiedeński high life“ (2009) wurde er mit dem renommierten Silesius-Preis in der Kategorie „Debüt des Jahres“ ausgezeichnet.
Er publizierte in zahlreichen polnischen Zeitschriften und Zeitungen (u.a. Tygodnik Powszechny, Odra, FA-art, Gazeta Wyborcza, Pogranicza) und war Chefredakteur einer literarischen Vierteljahresschrift „Korespondencja z ojcem“ (dt. Korrespondenz mit dem Vater).
Seine Gedichte sind bereits u.a. ins Französische, Hebräische, Englische und Norwegische übersetzt worden. Jakobe Mansztajn führt auch einen Blog (www.jakobe.art.pl), wo er die Absurditäten des Alltags aufspürt.
Er lebt und arbeitet in Gdańsk.

Während des Gesprächs wurden ausgewählte Gedichte im Original und in der Übersetzung von Andre Rudolph vorgestellt.



12. September 2014

Gespräch mit Adam Wiedemann

Adam Wiedemann ist Lyriker, Schriftsteller und Übersetzer aus dem Ukrainischen, Slowenischen und Englischen.
Er gab bereits mehrere Lyrikbände und Erzählungen heraus. Im Jahr 2008 bekam er den Gdynia-Literaturpreis. Adam Wiedemann lebt und arbeitet in Warschau.
Während des Gesprächs wurden ältere und neuere Gedichte aus den vergangenen 2 Jahrzehnten vorgestellt, hauptsächlich jedoch aus dem aktuellen Band Z ruchem. Die Gedichte im Original wurden von Adam Wiedemann selbst und in deutscher Übersetzung von Esther Kinsky gelesen.


20. Juni 2014

Gespräch mit Dariusz Sośnicki

Dariusz Sośnicki ist Lyriker, Zeitschriftenredakteur und Literaturübersetzer. Im Gespräch mit Esther Kinsky präsentierte und besprach der Lyriker, der bereits zum 2. Mal bei uns zu Gast war, seine neuesten, bislang unveröffentlichten Gedichte, die im polnischen Original und in Esther Kinskys deutscher Übersetzung vorgetragen wurden.
Dariusz Sośnicki veröffentlichte bislang acht Lyrikbände (zuletzt Von Dingen und Menschen. Gesammelte Gedichte 1991-2010 [„O rzeczach i ludziach. Wiersze zebrane 1991-2010", 2011]). Sein Gedichtband Symmetrie ["Symetria", 2002] war für den Literaturpreis "Paszport Polityki" nominiert. Sośnicki lebt und arbeitet in Poznań.







Intercity Starosta II Strecke Warschau – Zielona Góra

Sie kommen aus Bialystok, Vati im Jackett,
Sohn unter strenger Kontrolle, Tochter der Töchter,
Mutti fragt nach allem, aus Höflichkeit wohl.

Sie fahren nach Poznan. Und durch den Strohhalm mit Sahne
zieht Vati die Wörter, gleich wird er daraus
die eine Antwort kneten. Und das Leben? Ist es nebenan?

Wartet es ruhig? In Spurbreite und Schienenstoß?
Zeitweise unzugänglich, im Schatten der Wörter und Wörter?
Ja, ja, zeitweise – wäre nicht schlecht.

(Übersetzung: Esther Kinsky)


23. Mai 2014

Gespräch mit Marta Podgórnik

Marta Podgórnik ist Lyrikerin, Literaturkritikerin und Redakteurin. Sie gab bisher sieben Lyrikbände heraus, davon zuletzt: Nic o mnie nie wiesz [Du weißt nichts über mich; 2014] und Rezydencja surykatek [Die Erdmännchen-Residenz; 2011].
Im Jahr 2012 wurde sie für Rezydencja surykatek mit dem Gdynia-Literaturpreis ausgezeichnet. Marta Podgórnik lebt und arbeitet in Gliwice.
Das intensive Gespräch handelte von verschiedenen älteren und jüngeren Gedichten, die Podgórnik im polnischen Original und Kinsky in ihrer deutschen Übersetzung vortrugen.


25. April 2014

Gespräch mit Jacek Gutorow

Jacek Gutorow ist Lyriker, Essayist, Übersetzer aus dem Englischen. Bislang sind fünf Lyrikbände und fünf literaturkritische Werke von ihm erschienen. Gutorow übersetzt amerikanische und britische Lyriker (u.a. Wallace Stevens, John Ashbery, Ron Padgett, Charles Tomlinson, Geoffrey Hill, Simon Armitage, Mark Ford).
In ihrem Gespräch stellten Jacek Gutorow und Esther Kinsky ausgewählte Gedichte aus den Bänden Inne tempo [Anderes Tempo], w cieniu kwitnacych sadów [im schatten blühender gärten] und dem dieses Jahr erscheinenden Buch Kartki [Blätter] im Original und in Kinskys deutscher Übersetzung vor.



Reportagen ohne Grenzen - Reportaże bez Granic
Polnische Reporter im Buchbund



Rückblick auf alle 10 Veranstaltungen

In der Reihe Reportagen ohne Grenzen haben wir deutschen Lesern und Verlagen eine Auswahl bekannter polnischer Reportagenschreiber vorgestellt. Im Laufe des Jahres 2013 haben wir in insgesamt zehn ausführlichen Gesprächen einen Autor und dessen neuestes Buch präsentiert. Zusätzlich zum Autorengespräch wurden ausgewählte Textstellen aus dem Buch in deutscher Übersetzung vorgetragen.

Lisa Palmes, Marcin Piekoszewski


Zum Film

Zum Interview auf ostpol.de


13. Dezember 2013

Jacek Hugo-Bader: Dzienniki kołymskie [Kolyma-Tagebuch]

(Thema: Tagebuch einer im Alleingang unternommenen Reise entlang der Kolyma Trasse - auf Warlam Schalamows Spuren)

Der Oberst des russischen Geheimdienstes setzt sich zum Kartenspiel. Sein Gegner ist eine kriminelle „Autorität“, ein zehn Jahre älterer Prinz der blatniki, Aristokrat der urki und ugolowniki, ein krutoj Baron, eiskalter Wiederholungstäter und mit allen Wassern gewaschener Knastbruder. (Alle unverständlichen, in den vorhergehenden Satz eingeflochtenen Worte stehen im russischen Gaunerjargon, der fenja oder fenka, für Kriminelle.) Kurz gesagt: Dima und Wanja dreschen einen kosjol, einen „Ziegenbock“. Sie spielen dieses schrecklich simple Kartenspiel mit 24 Karten, der Einsatz beträgt tausend Rubel (24 Euro) pro Runde.
Mit einem Mal hört für die beiden die ganze Welt auf zu existieren. Sie sind nur noch füreinander da, sprechen nur noch miteinander, gießen nur noch sich Wodka ein, prosten sich zu. Sie verfallen Spiel und Suff, der reinste Amok. Und sie werfen dabei mit mat nur so um sich, das heißt, sie fluchen so ungeheuerlich, als würde es bei dem Spiel nur darum gehen – wie bei einem Wettbewerb im Erfinden von, so sagt man in Russland, vielstöckigen Flüchen. Sie beschimpfen sich, quälen und verhöhnen den Gegner gnadenlos und triumphieren bei jedem Gewinn wie kleine Jungs, aber darin liegt keine persönliche Beleidigung. Im Gegenteil. Verachtung? Von wegen! Sie verachten die Idioten. Mich, „Frosch“, Kolja – den ganzen Rest der Welt. Nur die blatniki und der Geheimdienst sind keine Idioten.
Ich sehe, wie vor meinen Augen eine Sympathie zwischen den beiden entsteht, ein unsichtbares Band, ja Achtung oder Respekt, obwohl sie zwei getrennten Welten angehören, die theoretisch verfeindet sind, sich bekämpfen. Zwei Giganten an einem Ort, sie haben sich gewittert und gefunden.

Übersetzung aus dem Polnischen von Benjamin Voelkel



15. November 2013

Angelika Kuźniak: Papusza

(Thema: Die Lebensgeschichte der polnischen Roma-Dichterin Papusza (auf Romani "Puppe"))

Papusza wartete jeden Tag vor der Schule auf die Kinder. Danach schrieb sie mit einem Stock im Sand oder mit einem verrußten Holzstückchen auf Zeitungen: A, b, c und den Rest der Buchstaben. Wie in einer Fibel. So ging es ein paar Tage lang, bis es den Kindern langweilig wurde.
Da erinnerte sie sich an einen Laden nicht weit vom Markt, wo sie manchmal Süßigkeiten kaufte. Ein dunkler, langer Korridor, kaum Licht, wie an der Eingangstür. Hinter dem Tresen die Ladenbesitzerin, eine Jüdin.
„Ich bin mit einer Zeitung zu ihr gegangen und hab sie gebeten: ‚Zeig mir, Frau, wie man liest.‘
Sie hat gesagt, ich soll ein fettes Huhn für den Schabbat mitbringen und eine Fibel kaufen.“
Der Unterricht war kurz, immer nach Ladenschluss.
Papuszas Mutter gefiel das nicht. Sie sagte immer wieder: „Diese Bücher sind nichts wert, damit wird bloß das Gehirn vergiftet. Von ihnen kommt die Dummheit.“
Der Stiefvater schlug Papusza.
„Die Zigeuner im Lager spuckten mich an, zeigten mit den Fingern auf mich, lachten über mich: ‚Na? Willst wohl eine Frau Lehrerin werden? Für was brauchst du denn das Lernen?‘ Sie haben die Zeitung zerrissen, Seite für Seite, und ins Feuer geworfen. Sie verstanden nicht, dass man das für sich selbst tun muss, für ein Stück Brot. Ich kann heute nämlich mit meinem Namen unterschreiben und mache keine Kreuzchen. Und ich bin stolz drauf, dass ich, eine ungebildete Zigeunerin, lesen kann. Ich hab mich damals im Wald leise ausgeweint und hab dann einfach weitergemacht.“

Übersetzung aus dem Polnischen von Joanna Manc



25. Oktober 2013

Anna Bikont: My z Jedwabnego [Wir aus Jedwabne]

(Thema: Das Juden-Pogrom in Jedwabne 1941. Eine Dokumentation von Zeugenstimmen)

Zunächst fahre ich zu Marianna Ramotowska, geborene Finkelsztejn, aus Dziewięcin bei Radziłów, gerettet von Stanisław Ramotowski. Ich gelange zu einer hölzernen Hütte, die sich an das Ufer eines Baches duckt. Ramotowski verkündet noch auf der Türschwelle, er werde nicht reden.
Drinnen ist es empfindlich kalt. Ramotowskis Ehefrau sitzt in mehrere Pullover eingemummt da. Sie ist klein, schwächlich, trägt dicke Brillengläser. Zum Reden ist sie noch weniger aufgelegt als ihr Mann. Sie hört schlecht, kann nicht gehen. Ihr Mann macht mir den Tee. Wir fangen an, uns zu unterhalten, doch er weicht mir immer wieder aus.
„Die Polen waren es, die die Juden gejagt haben. Selbst wenn ich wüsste, wer es war, würde ich es nicht sagen. Ich darf nicht reden. Wir wollen hier leben.“
Oder: „Ich werde Ihnen nicht sagen, wie ich es angestellt habe, zu Kriegszeiten von einem Priester mit einer Jüdin getraut zu werden. Und wenn Sie mich hinter einem Pferd herschleifen lassen, ich werd's Ihnen nicht sagen, das sind religiöse Dinge.“
„Sag nichts, Stasinku, Gott bewahre“, bittet seine Frau, die seine Hand hält.


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Übersetzung aus dem Polnischen von Lisa Palmes



27. September 2013

Małgorzata Rejmer: Bukareszt. Kurz i krew [Bukarest. Blut und Staub]

(Thema: Reportage - Hommage an eine Stadt)

Reihen von abblätternden Häuserfassaden wie schiefgeschlagene und abgebrochene Zähne, Kabel wie Zahnseide, die in der Sonne glänzten und sich spinnweben- oder bindfadengleich um die Straßen wickelten. Die Gebäude sahen aus, als hätten sie eben ihre Haut abgeworfen, als schuppe und entpuppe sich die ganze Stadt und unter der alten Hülle käme hier und da etwas Neues und Glattes zum Vorschein.
Das Neue gefällt mir nicht besonders. Ich mag lieber die alten Schichten, aus denen Bukarest geschaffen ist, und die rumänische Ungezähmtheit, die jegliches System zum Narren hält. In diesem Sommer 2009 bringen mich die Busse ein ums andere Mal ins Grenzland, denn an den Haltestellen gibt es keinerlei Informationen, geschweige denn Fahrpläne. Ich lerne Vororte kennen, in denen einfach alles provisorisch und heruntergekommen ist. Ich setze mich auf die Bordsteinkante und überlege, ob ich dieses Chaos irgendwie erfassen kann, diese verworrene Struktur, die mich wieder und wieder an den Stadtrand wirft. Es gibt schließlich Spielregeln, die ich nicht kenne. Ich spüre das Gewaltige dieser Stadt und ihre marode Macht, unter der der Wahnsinn lauert.


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Übersetzung aus dem Polnischen von Lisa Palmes



6. September 2013

Paweł Smoleński: Arab strzela, Żyd się cieszy [Der Araber schießt, den Juden freut's...]

(Thema: Israel aus der Sicht der arabischstämmigen Israelis)

Das Foto stammt aus der Zeit des Kampfes um Unabhängigkeit – der Nakba, und somit aus der blutigen und hasserfüllten Zeit. Ein paar orthodoxe Juden sitzen, als wäre es das Normalste der Welt, zwischen arabischen Soldaten. Sie scheinen sich nicht zu unterhalten, aber es ist nicht auszuschließen, dass sie nach einer Unterhaltung in Gedanken versunken sind oder vielleicht nach einem Streit, vielleicht, nachdem einer einem anderen etwas Beleidigendes gesagt oder ihm gedroht hat. Aber sie haben ihr Brot miteinander geteilt – das wiederum ist genau zu sehen! – sie kauen und denken nach, und in ihren Gesichtern ist keine Spur von Feindseligkeit. Es schien mir, als dächten sie: „Himmel, Arsch und Zwirn, was soll das bloß alles, warum musste das ausgerechnet hier passieren?“
Ich kann mir ein ähnliches Bild vorstellen: Soldaten des Zahal, der Israelischen Streitkräfte, und arabische unbewaffnete Männer, die über das nachgrübeln, was unweigerlich, aber völlig sinnloserweise geschehen musste.


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Übersetzung aus dem Polnischen von Lisa Palmes



28. Juni 2013

Filip Springer: Źle urodzone [Kopfgeburten]

(Thema: Die Architektur in der Zeit der Volksrepublik Polen)

Avantgarde also. Die dritte Etage des Kattowitzer Architektur- und Städtebaubüros „Miastoprojekt“, Abteilung Innenstadt. Schwarze Rollkrägen, Reißbretter, Wolken von Zigarettenrauch, große Pläne. In Schlesien ist diese Dritte Etage der architektonische Olymp. Für die Architekturprojekte von hier werden Altbauten in Schutt und Asche gelegt. Verfallene, dunkle, altmodische, großbürgerliche Altbauten – so denkt und spricht man zu dieser Zeit über sie. Die Architekten wollen frischen Wind in die Stadt bringen, Sonne und Grün hereinlassen. Modern soll es sein – Beton und Glas. So, dass der Bergmann nach Schichtende etwas hat, woran sich sein Auge freuen kann.
Es ist das Jahr 1955 – der Sozrealismus liegt im Sterben, so wie auch der Name der Stadt, den niemand hier benutzen will: Stalinogród. Le Corbusier baut in Nantes seine zweite Wohnmaschine, und Mieczysław Król ist Architekturstudent kurz vor dem Abschluss und sieht sich nach einer Arbeit um. Diese zeitliche Übereinstimmung ist so zufällig wie verhängnisvoll.
Irgendwann bekommt Mietek Król eine Arbeit zugewiesen und landet, zu seiner Freude, in der besagten Dritten Etage. Sofort werden ihm große Projekte auf den Tisch gelegt. Zum Beispiel Koszutka. So raffiniert hat Król diesen Stadtbezirk erdacht und gezeichnet, dass den Leuten fast die Augen aus dem Kopf gefallen sind, und jetzt sagen sie, er sei anmaßend. Entgegen aller bisherigen Normen hat er befunden, es sei höchste Zeit für neunstöckige Wohnblocks – und damit die Schallmauer durchbrochen, denn bis dahin ist in der Stadt nicht höher als fünf Stockwerke gebaut worden. Mehr erlauben die Vorschriften nicht; das ganze Gebiet ist durch Bergbauschäden gefährdet und niemand will eine Katastrophe riskieren. Die Entscheidungsträger aus Warschau können sich lange nicht einigen, sagen, seine Blocks seien nicht funktional, die quadratisch angelegten Wohnungen angeblich ungünstig geschnitten. Er fährt hin, redet, argumentiert und bekommt schließlich den Zuschlag. Ingenieur Król ist der Erste, der hier etwas baut, das die Fördertürme überragt.


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Übersetzung aus dem Polnischen von Lisa Palmes



31. Mai 2013

Wojciech Górecki: Abchasien [Abchazja]

(Thema: Die Geschichte und aktuelle Situation des von kaum einem anderen Land anerkannten Staates Abchasien)

Guten Tag“ heißt mschybsja, „danke“ – itabup. Das abchasische ABC.
ABC wie Abchasien. Das einzige Land, dessen Name wie das Alphabet beginnt – jedenfalls auf Polnisch und in einigen anderen Sprachen. (Auf Abchasisch heißt es Apsny – Land mit Seele). Lässt sich daraus etwas schließen?
Hier muss man anfangen, wenn man den Kaukasus von Grund auf kennenlernen will, riet Ossip Mandelstam. Hier beginnt jedes Wort mit „a“.
In sowjetischen Zeiten wurden oft neue abchasische Wörter gebildet, indem man ein „a“ vor Ausdrücke aus dem Russischen setzte. So entstand die abank, der akosmos, das atieliefon. Die Abchasier spotteten: Ein Bauer aus einem verschlafenen Kaff kommt nach Suchumi, sieht ein feines Restaurant. „Was ist denn das?“, fragt er sich. „A...“, dann fällt es ihm plötzlich wieder ein, „riestoran!“


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Übersetzung aus dem Polnischen von Lisa Palmes




12. April 2013

Witold Szabłowski: Der Attentäter aus der Aprikosenstadt [Zabójca z miasta moreli]

(Thema: Die Türkei als Land zwischen Europa und Asien, zwischen Tradition und Moderne)

Wenn es dunkel wird und tausende Muezzins verkünden, Allah sei groß, dann verstummen die Gespräche und die Menschen verfallen in eine melancholische, metaphysische Stimmung. Oft nutze ich das aus und frage die Türken, die ich zufällig treffe: Wie lebt es sich mit dieser Meeresenge? Macht sich jemand Gedanken über die tägliche Reise zwischen den Kontinenten?
Sie zucken mit den Achseln, verstehen nicht, wonach ich frage. Meeresenge ist eben Meeresenge.
Nur den Dichter Tayfun wundert diese Frage ganz und gar nicht.
„Ich habe auch so eine Meeresenge in mir“, sagt er und wirft ein großes Stück Brezel in Richtung der Möwen, die die Fähre verfolgen. „Jeder Türke pendelt tausend Mal täglich zwischen Tradition und Moderne hin und her. Zwischen Hut und Schleier. Zwischen Moschee und Diskothek. Zwischen der EU und der Abneigung gegen die EU.“


Übersetzung aus dem Polnischen von Joanna Manc



22. März 2013

Lidia Ostałowska: Wasserfarben [Farby wodne]

(Thema: Der bis heute andauernde Konflikt um Roma-Potraits, die die tschechische Jüdin Dina Gottliebova im Auftrag Mengeles in Auschwitz malte)

In der Sauna neben Mengeles Untersuchungszimmer war ein kleiner Raum.
Dina: „Ich würde ihn Atelier nennen. Mengele gab mir Wasserfarben, Pinsel und einen Block. Aber ich hatte noch nie Aquarelle gemalt; in der Schule hatten wir nur Öl- und Temperafarben. Eine Staffelei gab es nicht, dafür bekam ich zwei Stühle. Auf einem saß ich, auf den zweiten stellte ich die Palette. Und dann fing ich an. Zuerst damit, mir ein Modell zu suchen, denn der Doktor hatte keines bestimmt, sondern nur gesagt: 'Geh und such dir jemanden aus.'“ Dina ging vor die Baracke.
„Ich nahm die erste Person, die ich sah. Eine junge Frau mit einem kunstvoll geknoteten, sehr bunten Kopftuch.“
Die Arbeit nahm zwei, drei Tage in Anspruch. Linkes Halbprofil, darunter die Aufschrift: Zigeuner-Mischling aus Deutschland.


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Übersetzung aus dem Polnischen von Lisa Palmes



22. Februar 2013

Wojciech Jagielski: Brennendes Gras [Wypalanie traw]

(Thema: Südafrika nach der Apartheid)

Abwesend und in Gedanken versunken betrachtete Dan van Zyl die wandernden Schatten im Tal. Er rührte sich nicht einmal, als im Wohnzimmer das Telefon klingelte. Das Klingeln hörte auf, setzte aber nach einer Weile noch lauter und drängender wieder ein.
Er hörte die Stimme seiner Frau. Am Apparat war Eugene Terre'Blanches Ehefrau Martha. Sie wohnte nicht auf der Farm, sondern im Städtchen. Auf dem weitab gelegenen Landgut fühlte sie sich nicht sicher. In den letzten Jahren war es auf den rund um die Kleinstadt gelegenen Farmen immer häufiger zu Überfällen und Morden gekommen, und viele Farmer hatten für ihre Familien Häuser in Ventersdorp gekauft. Auf ihre Farmen fuhren sie wie ins Büro und kehrten für die Nacht in die Stadt zurück.
Die Sonne ging langsam unter und Dan wollte schon ins Haus gehen, als sich von Terre'Blanches Hof den Hügel herab ein schwarzes Pferd näherte. Es durchquerte die Wiese am Abhang, wobei es eine Spur in dem hohen gelblichen Gras hinterließ, und galoppierte bis zum Zaun am Feldweg, dann machte es kehrt und jagte im selben Tempo in Richtung Haus zurück.
Van Zyl kannte dieses Pferd gut und wusste sofort, dass etwas Schlimmes geschehen war.


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Übersetzung aus dem Polnischen von Lisa Palmes


Die Reihe wurde konzipiert in Zusammenarbeit mit:




Mit freundlicher Unterstützung von:




Medienpartner:





Bibliographie

In Vorbereitung:

Ludwik Hirszfeld: Die Geschichte eines Lebens [Arbeitstitel]
Übersetzung: Lothar Quinkenstein, Lisa Palmes
Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn
vorauss. Erscheinungsdatum: Ende 2016

Katarzyna Puzyńska: Motyłek [Schmetterling; Arbeitstitel]
dtv, München
vorauss. Erscheinungsdatum: 2017



NEU ERSCHIENEN:

Joanna Bator: Dunkel, fast Nacht
Suhrkamp-Verlag, Berlin 2016

Eine Stadt ist in Aufruhr. Drei Kinder sind verschwunden. Die erfolglosen Ermittlungen schüren die Wut der Bürger, befeuern die Gerüchte. Verdächtigungen und Schuldzuweisungen greifen um sich. Im Radio und im Internet lodert die Sprache des Hasses.
Alicja Tabor hat diese Stadt früh verlassen. Nun kehrt sie als Journalistin zurück, um Nachforschungen über die rätselhaften Entführungen anzustellen. Sie quartiert sich im alten Haus ein, das seit dem Tod des Vaters leersteht; die Atmosphäre ist düster, die Stimmung im einst so geliebten Garten unheimlich. Ständig fühlt sie sich beobachtet, um sie herum ereignen sich unerklärliche Dinge.

Mit der ihr eigenen Subtilität schildert Joanna Bator, wie Stimmungen kippen können, wie latente Ängste und Traumata sich in jähe Ausbrüche von Wahnsinn verwandeln. Dunkel, fast Nacht ist ein Roman über die Brüchigkeit einer Gesellschaft, die ihre gemeinsame Sprache verloren hat.



Lidia Ostałowska: Wasserfarben.
Reportage. KLAK-Verlag, Berlin 2015

Die Übersetzung dieses Buches wurde vom Buchinstitut Krakau im Rahmen des Übersetzerprogramms(C)POLEN gefördert.

Auschwitz-Birkenau, 1943:
Die tschechisch-jüdische Kunststudentin Dina Gottliebova porträtiert im Auftrag des Lagerarztes Josef Mengele die im „Zigeunerlager“ inhaftierten Roma. Sie rettet auf diese Weise sich selbst und ihrer Mutter das Leben.

Hollywood/ Oświęcim, 1960er Jahre:
Erst zwei Jahrzehnte später wird die inzwischen in den USA lebende, anerkannte Künstlerin als Urheberin der Aquarelle ausfindig gemacht und es beginnt ein Streit um das Eigentum an den Portraits: Gehören sie der Malerin? Dem Museum auf dem Gelände des ehemaligen deutschen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau? Oder den Angehörigen und Nachkommen der ermordeten Roma und Sinti?
Lidia Ostałowska rekonstruiert diese dramatische Geschichte in allen ihren Facetten.



Filip Springer: Kopfgeburten.
Architekturreportagen aus der Volksrepublik Polen. dom publishers, Berlin 2015

Die Übersetzung dieses Buches wurde vom Buchinstitut Krakau im Rahmen des Übersetzerprogramms(C)POLEN gefördert.

Wenn der junge polnische Architekt Maciej Nowicki nicht bei einem Flugzeugabsturz umgekommen wäre, sähe Chandigarh heute ganz anders aus. So bekam Le Corbusier den Auftrag. Witold Lipiński baute schon in den frühen 1960er Jahren einen Vorläufer des Passivhauses – in Igluform. Der Antikommunist Marek Leykam erhielt trotz seiner politischen Haltung heikle Bauaufträge der polnischen Regierung. Diese und andere Architekten haben im Polen der Nachkriegszeit Spuren hinterlassen, die heute noch viele Fragen und auch Widersprüche aufwerfen.



Mariusz Czubaj: Wiegenlied für einen Mörder.
Kriminalroman. Band 2 der Serie mit Kommissar Rudolf Heinz. Prospero-Verlag, Münster, Berlin 2015.

In einem Heizungsschacht wird die Leiche eines Mannes gefunden; er ist das jüngste Opfer eines Serienkillers. »Dr. Tod«, wie ihn die Warschauer Polizei getauft hat, tötet Obdachlose mit einer Injektion ins Herz und verstümmelt seine Opfer anschließend grausam, indem er ihnen die Hände abschneidet. Profiler Rudolf Heinz wird von Kattowitz in die Hauptstadt gerufen, um bei den Ermittlungen zu helfen. Er stößt auf eine Verbindung zu dem rätselhaften Tod eines bekannten Warschauer Unternehmers. Die Spur führt in dessen Vergangenheit und tief in die Warschauer Unterwelt. Unterdessen nimmt »der Inquisitor« aus dem psychiatrischen Krankenhaus in Silesia Kontakt zu Heinz auf. Er hat mit ihm noch eine Rechnung zu begleichen.

„Mariusz Czubajs neuer Roman ist alles andere als ein Wiegenlied. Das ist starker Kaffee, noch dazu mit einem Schuss Cognac." (Marcin Wroński).



Justyna Bargielska: Kleine Füchse.
Erzählung. KLAK-Verlag, Berlin 2014.

Die Übersetzung dieses Buches wurde vom Buchinstitut Krakau im Rahmen des Übersetzerprogramms(C)POLEN gefördert.

„Der Tag wird kommen, an dem ich mich zu den Kirchenvätern setze und lese und mich durch nichts ablenken lasse, und dann finde ich auch raus, wer wie heißt – aber jetzt gucke ich erstmal nach, was meine Teilnehmer so über den Tod oder Untod in der U-Bahn geschrieben haben, und dazu fallen mir wieder die Fitnessfilme ein: Ohne Blut kein Tod. Also los!“



Witold Szabłowski: "Woiwodschaft Großbritannien" [Auszüge].
In: n-ost Themenheft EU-Osterweiterung. Berlin 2014.
www.n-ost.org


Textauszüge in "Ostpol. Das Osteuropamagazin":

• Anna Bikont: Wir aus Jedwabne.
• Małgorzata Rejmer: Bukarest. Blut und Staub.
• Paweł Smoleński: Der Araber schießt, den Juden freut's...
• Filip Springer: Schlecht geboren.
• Wojciech Górecki: Abchasien.
• Lidia Ostałowska: Wasserfarben.
März-Oktober 2013. www.ostpol.de


Interview mit Radosław Kobierski – Untertitelung.
Kulturkontakt Austria, Wien 2013.
Video ansehen


Karolina Wigura: Interview mit Henryka Bochniarz:
"Die Businesswelt ist ein Männertheater".

In: "wespennest. zeitschrift für brauchbare texte und bilder", Nr. 165, Oktober 2013.


Karolina Wigura: "Kelek, Sassen, Kubin, Pap: Diskriminiert, unerwünscht, unsichtbar?";
András L. Pap: "Mittel und Osteuropa. Abbildung von Minderheiten und Beispielen für Diskriminierung".
In: "Kultura Liberalna", August 2013.
www.kulturaliberalna.pl


Mariusz Czubaj: 21:37.
Kriminalroman. Band 1 der Serie mit Kommissar Rudolf Heinz. Prospero-Verlag, Münster 2013.

Die Übersetzung dieses Buches wurde vom Deutschen Übersetzerfonds durch ein Arbeitsstipendium gefördert.

In der Nähe des Olympia-Zentrums in Warschau werden die Leichen zweier junger Männer gefunden. Die Opfer waren Schüler eines örtlichen Priesterseminars. Vor ihrem Tod wurden sie grausam gefoltert, der Mörder hat anschließend die Zahlen 21 und 37 auf die Platiktüten geschrieben, mit denen er sie erstickte. Beziehen sich die Ziffern auf den Todeszeitpunkt von Johannes Paul II.? In welchem Zusammenhang stehen die Morde zum Tod des Papstes?
Ein Sonderkommando wird ins Leben gerufen, das sich auf die Fährte des Killers setzen soll. Darunter ist auch Rudolf Heinz, ein erfahrener Profiler.
Zum Kreis der Verdächtigen gehören bald einflussreiche und angesehene Leute, ein Skandal großen Ausmaßes bahnt sich an.
»21:37« ist eine Geschichte über die Scheinheiligkeit innerhalb der polnischen katholischen Kirche, es ist der erste Krimi der Serie um den Profiler Rudolf Heinz.



Karolina Wigura: Interview mit Peter Sloterdijk:
"Die europäische Union ist ein Club der gedemütigten Imperien".

In: "Kultura Liberalna", Januar 2013.
www.kulturaliberalna.pl


Irena Grudzińska-Gross: Czesław Miłosz und Joseph Brodsky. Die Freundschaft zweier Dichter.
Übersetzung aus dem Polnischen und Englischen.
Peter Lang, Frankfurt/Main, Warschau 2012.

Die Übersetzung dieses Buches wurde vom Buchinstitut Krakau im Rahmen des ÜBERSETZUNGSPROGRAMMS (C) POLAND gefördert.

Dieses Portrait der Freundschaft zwischen zwei Ikonen der Dichtkunst des 20. Jahrhunderts, Czesław Miłosz und Joseph Brodsky, beleuchtet die Parallelen in den Leben der beiden Dichter und Literaturnobelpreisträger. Grudzińska-Gross greift auf Gedichte, Essays, Briefe, Interviews, Vorträge und eigene Erinnerungen als Vertraute der beiden Dichter zurück, die einen Teil ihres Lebens im amerikanischen Exil verbrachten. Das Doppelportrait der Dichter und die Erläuterung ihrer Einstellungen zu Religion, Geschichte, Erinnerung und Sprache werfen ein neues Licht auf die Umwälzungen des 20. Jahrhunderts. Zusätzlich schildert die Autorin Miłoszs und Brodskys Beziehungen zu anderen literarischen Schlüsselfiguren wie W. H. Auden, Susan Sontag, Seamus Heaney, Mark Strand, Robert Hass, Derek Walcott.


Vorabdruck eines Textauszuges in "Akzente" - Zeitschrift für Literatur.
Herausgegeben von Michael Krüger. Heft 5/2012.


Serhij Zhadan (Hrsg.): Totalniy Futbol - Eine polnisch-ukrainische Fußballreise.
Mitarbeit.
Edition Suhrkamp Sonderdruck, 2012.

Eine Sammlung von (Fußball-)Essays über die acht Austragungsorte der UEFA Euro 2012: Paweł Huelle: Danzig/Gdańsk, Marek Bieńczyk: Warschau/Warszawa, Natasza Goerke: Posen/Pozań, Piotr Siemion: Breslau/Wrocław, Natalka Snjadanko: Lemberg/Lwiw, Juri Andruchowitsch: Kiew, Oleksandr Uschkalow: Charkiw, Serhij Zhadan: Donezk.


Zum Spiegel-Artikel


Anna Wolff-Powęska, Piotr Forecki (Hrsg.): Der Holocaust in der polnischen Erinnerungskultur.
Essayband. Mitarbeit.
Peter Lang, Frankfurt/Main, Warschau 2012.


Bartłomiej Rychter: Die Bestie von Sanok.

Historischer Kriminalroman. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2012.

Die Übersetzung dieses Buches wurde durch ein Arbeitsstipendium der Stadt Wien gefördert.

Sanok, 1896. Unter einer Klostermauer wird der zerrissene Körper eines Ratsherren entdeckt. Die Leute erzählen von wilden Bestien, die nachts aus dem Wald kommen, um zu töten. Borys, ein junger Hauslehrer, und ein eilends herzugebetener österreichischer Professor glauben nicht an solche Gruselgeschichten, sondern suchen fieberhaft nach einem leibhaftigen Täter, denn das grausame Morden nimmt kein Ende…





Wojciech Jagielski: Wanderer der Nacht.
Eine Reportage über die Kindersoldaten in Uganda.
Transit-Verlag, Berlin 2010.

Die Übersetzung dieses Buches wurde vom Buchinstitut Krakau im Rahmen des ÜBERSETZUNGSPROGRAMMS (C) POLAND gefördert.

Wojciech Jagielski, einer der mutigsten Schüler Kapuścińskis, hat sich in den letzten Jahren immer wieder in den gefährlichsten Krisengebieten dieser Welt aufgehalten: Kaukasus, Afghanistan, Tschetschenien – und immer wieder Afrika. Seine Methode beim Beobachten und Schreiben ist so einfach wie schwierig: er lässt sich auf das Land, die unterschiedlichen Sichtweisen, auf die Konflikte innerhalb der Gesellschaft ohne Vorurteile ein; er porträtiert Menschen, die in die Spirale des Hasses und der Rache geraten und kaum eine Chance haben, da wieder herauszukommen. In seinem neuesten Buch schreibt Jagielski über Uganda, über Truppenführer, die Dörfer überfallen und Kinder rauben, über Eltern, die mit aller Kraft und Phantasie versuchen, ihre Kinder vor diesem Schicksal zu bewahren. Er schreibt aber auch über die politischen Hintergründe, die gesellschaftliche »Normalität« und fragt, wieso aus ehemaligen »Befreiern« immer wieder habgierige und brutale Despoten werden, wie Menschen in einem dreißigjährigen Bürgerkrieg überleben, und trotz allem die Hoffnung auf eine Zukunft nicht aufgeben. Er erweitert seine Reportage durch fiktive, erzählerische Elemente und erreicht damit eine eigene schriftstellerische Qualität. Besonders eindrucksvoll sind seine genauen und stilistisch sensiblen Porträts von Menschen, die Soldaten oder Partisanen waren, fliehen konnten und jetzt mit diesem Trauma leben müssen; von Kindern, die sich vor dem Militär oder den Guerilleros verstecken, nachts aus den Dörfern in die Städte ziehen (wo sie sicherer sind) um dann, am Morgen, wieder zurückzuschleichen – eben die »Wanderer der Nacht«.



ArtZine paradox.pl: Texte über das moderne polnische Theater.
Hamburg 2009.

Ein Projekt der Robert Bosch-Stiftung in Kooperation mit dem Theater Kampnagel Hamburg.

 
Wielki Słownik Polsko-Niemiecki [Großwörterbuch Polnisch-Deutsch].
Mitarbeit; Übersetzung von Einträgen.
Pons/LektorKlett, Poznań, Stuttgart 2008.



Leseproben



Impressum

Lisa Palmes
Polonistin und Germanistin
Übersetzerin polnischer Literatur

Polonistka. Tłumaczka polskiej literatury


Boppstraße 11
10967 Berlin
Deutschland

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Tel.: +49-(0)30-4509 0229
Tel. mobil: +49-(0)178-13 75 699

E-Mail: palmes@lisapalmes.de
www.lisapalmes.de

USt.Id.-Nr: DE 237 818 701
Finanzamt Berlin-Kreuzberg

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